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Von Pflastern, Straßen und Höfen

(von Rolf Schulze)
Während einer Ausgrabung im März 2017 in Grabow.

Grabungsleiter (GL) steht im Schnitt, möchte einen Befund einmessen. Es ist gerade sehr stressig auf der Grabung, was jede/r bestätigen kann, der/die schonmal alleine ein ausgewachsenes Körpergräberfeld dokumentieren „durfte“…

Journalist (J) taucht von der Seite her neben GL auf, der gerade versucht, sich Zahlen zu merken. Und da bekanntlich viele Archäologen schlecht rechnen können, lieben sie es nicht unbedingt, beim Einmessen von Befunden von der Seite angequatscht zu werden…

J: Guten Tag!
GL: Tach.
J: Was haben Sie denn da ausgegraben? (auf deutlich sichtbare Pflastersteine schauend…)
GL: Pflaster.
J: Interessant! Straßenpflaster?
GL: Nein, hier war keine Straße.
J: Aber da ist doch Pflaster…
GL (leicht genervt): Man kann auch was anderes pflastern. Einen Hof zum Beispiel.
J: Dann war hier also eine Hofstelle, also ein Bauernhof. Interessant, so mitten in der Stadt, das muß ich aufschreiben…
GL (genervt): Nein, hier war keine Hofstelle. Ich meinte „Hof“ jetzt nicht im Sinne von „Bauern-Hof“, sondern im Sinne von „Innen-Hof“.
J: Aha, dann war hier also eine Hofstelle – und ein Innenhof! Was machen Sie da eigentlich gerade?
GL (noch genervter): Einmessen, wenn man mich lassen würde…
J: Spannend! Das fotografiere ich! Wie lange wird denn hier noch gearbeitet?
GL (auf zwei Bauarbeiter deutend, die das Ganze mittlerweile belustigt beobachten und direkt daneben stehen): Das weiß ich nicht, fragen Sie doch die Bauarbeiter da…
J: (geht an den Bauarbeitern vorbei um die Kirche rum, fragt irgendeinen anderen Bauarbeiter auf der anderen Seite der Baustelle und kommt mit der Antwort zurück, hat nur leider den Namen des Bauarbeiters vergessen, den er gefragt hatte): Vielen Dank! Ich hab leider den Namen vergessen, ich schreib dann einfach rein dass ich das von Ihnen hab!